Reform und Veränderung für Übergewichtige?

09. September 2010

Übergewicht ist ein Risikofaktor für die Versicherungen. Deutsche Bundesbürger, die deutlich zu viel wiegen, müssen in Zukunft damit rechnen, von einer privaten Krankenkasse als Kunde abgelehnt zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine vor kurzem durchgeführte Analyse des unabhängigen Verbraucher- und Finanzportals FinanceScout24 unter günstigen und leistungsstarken Anbietern von privaten Krankenzusatz-Policen.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung werden immer mehr verringert und aus diesem Grund schließen mehr und mehr Verbraucher, die es sich leisten können, eine private Zusatzversicherung ab. Diese trägt, je nach Tarif, zum Beispiel die Kosten für Zahnersatz, oder übernimmt die Rechnung für Chefarztbehandlung und Einzelzimmer bei einem Krankenhausaufenthalt. Derartige Versicherungen sind unter anderem schon für zehn Euro pro Monat zu erhalten, allerdings nur für die Gesunden unter den Antragstellern. Für sogenannte Risikogruppen werden hingegen sehr schnell Zuschläge fällig, oder ihr Antrag kann sogar abgelehnt werden. Für Übergewichtige ist das insbesondere schwierig, wie Dr. Errit Schlossberger, Geschäftsführer von FinanceScout24, erklärt. “Dies gilt besonders dann, wenn noch andere Risikofaktoren wie bestimmte Vorerkrankungen hinzukommen und der Antragsteller das 40. Lebensjahr überschritten hat”. Interessiere Kunden, die über 100 Kilo wiegen, bald 50 Jahre würden, unter Bluthochdruck leiden und einen Bandscheibenvorfall haben, können eher einen negativen Bescheid nach der Gesundheitsprüfung erwarten.

Medizinisch umstritten ist aber, wann überhaupt gesundheitlich bedenkliches Übergewicht vorliegt. Einige der von FinanceScout24 befragten Versicherungen wollen sich daher auch nicht auf einen konkreten Richtwert wie den Body-Mass-Index (BMI) festlegen. Bei der Central Krankenversicherung wird beispielsweise gesagt, dass sie das Körpergewicht nicht isoliert bewerten, sondern einen gesamtheitlichen Blick auf die Gesundheit des potenziellen Kunden werfen. Dabei hilft ihnen eine spezielle Software. In gleicher Weise wird bei der Barmenia gehandelt: Einen konkreten BMI-Wert als k.o.-Kriterium gibt es nicht. Aber selbstverständlich ist erhebliches Übergewicht ein Risiko, das häufig mit Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Thrombosen, Leberverfettung, vorzeitigem Gelenkverschleiß, Depressionen mit sozialem Rückzug sowie Diabetes (Typ II) einhergeht. Auch ist Untergewicht oft eine Folge gesundheitlicher Störungen wie Schilddrüsenüberfunktion, chronischen Nieren- oder Leberleiden, psychischen Störungen und einer unregelmäßigen Lebensweise mit zu wenig Schlaf.